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  • kerstinjaud

Faszien - ein vielseitiges Gewebe

Aktualisiert: 9. Dez. 2022

Mittlerweile hat fast jeder schon einmal etwas von Faszien gehört. Lange wurden sie in der Medizin stiefmütterlich behandelt. In den letzten Jahren entstand dagegen ein richtiger Hype um die Faszien. Zu Recht. Sie haben viele Aufgaben und sind durchaus faszinierend. Glücklicherweise wird im Bereich Faszien inzwischen viel geforscht.


Wer schon einmal Fleisch geschnitten hat, kennt die weißen zähen Häute. Auch Pflanzen haben Faszien wie zum Beispiel Zitrusfrüchte.



Die Faszien gehören zum Bindegewebe. Sie durchziehen sämtliche Strukturen des Körpers. Dazu gehören die Muskeln, Nerven, Organe, Gefäße und Gelenke. Auch innerhalb der Muskeln sind die einzelnen Muskelfasern mit Bindegewebe umhüllt.

Jede Faszie hat Verbindungen zu anderen Faszien. Bei den Faszien handelt es sich um ein einziges großes Organ das den ganzen Körper durchzieht. Das Fasziennetz soll in etwa 20kg wiegen.

Die Faszien haben vielfältige Aufgaben und wir beginnen langsam zu begreifen, wie wichtig dieses Faszienorgan wirklich ist. Ich möchte hier ein paar Aufgaben erwähnen. Die Liste ist sicherlich nicht vollständig:


  1. Gleitfähigkeit und Verschieblichkeit

  2. Stabilität und Elastizität

  3. Fortbewegung

  4. Informationsverarbeitung

  5. Schutz und Abwehr als Teil des Immunsystems

  6. Ernährung

1. Gleitfähigkeit und Verschieblichkeit

Die Faszien sorgen dafür, dass Muskeln und Organe gut aneinander vorbeigleiten können. Zwischen den Faszien befindet sich Wasser, welches als „Schmiermittel“ eine wichtige Funktion innehat. Um Faszien gleitfähig zu erhalten, muss der Körper mit ausreichend Wasser versorgt sein. Das Fasziennetz ist vergleichbar mit einem Schwamm. Ist dieser trocken, so wird er spröde und verliert an Anpassungsfähigkeit. Wasser hält das Bindegewebe geschmeidig und flexibel. Im Alter lässt der Wassergehalt im Körper nach.

2. Stabilität und Elastizität

Faszien sind ein dynamisches System. Sie geben uns Stabilität und Elastizität gleichermaßen. Das Netzwerk an Bindegewebe hilft uns, uns aufrecht zu halten. Es hält die Muskeln und Organe an Ort und Stelle. Gleichzeitig ist es an jeder Bewegung beteiligt.

3. Fortbewegung

Faszien haben einen großen Anteil an der Fortbewegung. Sie speichern Energie und geben diese bei der Bewegung wieder ab. Ganz eindrücklich können wir das bei den Kängurus sehen, das kaum Muskeln an den Beinen besitzt. Kängurus haben ihre enorme Sprungkraft den Faszien zu verdanken. Durch die Beugung des Beines werden diese vorgespannt. Beim Sprung entlädt sich die Energie schnell, ähnlich wie bei einem vorgespannten Gummiband.







4. Informationsverarbeitung


Dr. Robert Schleip sagt: „Faszien sind unser reichhaltigstes Sinnesorgan."

Faszien verzweigen sich im Körper wie die Wurzeln eines Baumes in der Erde.




Faszien sind dicht besiedelt mit Rezeptoren. Rezeptoren nehmen Reize auf und leiten diese über die Nerven weiter an das Gehirn. Dort werden die Informationen weiterverarbeitet. Das können Informationen über die Körperhaltung, das Gleichgewicht, die Position des Körpers oder einer Gliedmaße im Raum und auch Informationen über Temperatur oder Schmerz sein. Über die Faszien gelangt also eine Vielzahl an Informationen an das Nervensystem.

Faszien reagieren nicht nur auf mechanische Reize und Temperatur, sonder auch auf Stress. Wenn Faszien Stress haben, ziehen sie sich unabhängig von den Muskeln zusammen. Das kann zu Schmerzen führen.

5. Schutz und Abwehr als Teil des Immunsystems

Das Bindegewebe sorgt dafür, dass Krankheitserreger nicht eindringen können. In den Faszien befinden sich Makrophagen, auch Freßzellen genannt. Diese gehören zu den weißen Blutkörperchen. Ihre Aufgabe ist die Vernichtung von eingedrungenen Viren, Bakterien und Toxinen.

6. Ernährung

Zwischen den Bindegewebszellen, im sogenannten Interzellularraum, befindet sich die sogenannte Zwischenzellflüssigkeit. Diese ähnelt in ihrer Zusammensetzung dem Meerwasser. Hier werden Nährstoffe transportiert und Abfallstoffe entsorgt.

Über die Nahrung nehmen wir Säuren auf. Ist der Körper nicht in der Lage, die Säuren über die Lunge, die Nieren, die Haut und die Leber auszuscheiden, lagert er diese im Bindegewebe und den Faszien ab. Ist das Bindegewebe übersäuert, hat das Einfluss auf unser Wohlbefinden.

Wenn Faszien leiden:


Es gibt vielschichtige Ursachen für leidende Faszien. Stress, zu wenig Belastung, Überlastung, Schonhaltung, Flüssigkeitsmangel und verhinderter Abtransport von Stoffwechselprodukten lassen Faszien verdicken und verkleben. Normalerweise liegen Faszien in einer Art Scherengitterstruktur vor. Bei Bewegungsmangel oder sehr einseitigen Belastung wie zum Beispiel langem Sitzen und Computerarbeit verliert das Fasziengewebe seine elastische Struktur und kann verkleben und verfilzen. Sind Faszien verdickt und verfilzt, ähnlich wie Wollfasern beim Filzen, können sie sich entzünden. Sie haben dann weniger Elastizität, schlechtere mechanische Funktionalität und werden gereizt. Das Bindegewebe verhärtet und entzündet sich. Muskelfaserrisse oder komprimierte Nerven und somit Schmerzen sind die Folge. Die Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt.

Das mögen Faszien gerne:

  • Viel Bewegung und Dehnung

  • ausgewogenes Essen mit Proteinen, Vollkornprodukten und ungesättigten Fettsäuren (Omega 3 und 9)

  • zwei Liter stilles Wasser täglich

  • Faszienmassage oder die Arbeit mit der Faszienrolle

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